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Was denkt die Bevölkerung über Willkommenskultur?

Aufgrund des demographischen Wandels benötigt Deutschland eine Zuwanderung ausländischer Fachkräfte. Nun konkurriert Deutschland als Wirtschaftsstandort auf internationaler Bühne mit anderen Nationen um die begehrten Fachkräfte. Um die Attraktivität Deutschlands als Zielland für Migration zu erhöhen, ist die Etablierung einer Willkommenskultur sinnvoll. Willkommenskultur meint nichts anderes, als dass Einheimische die Zuwanderer „Willkommen heißen“. Das Gefühl, willkommen zu sein, akzeptiert zu werden und dazuzugehören, ist eine wichtige Grundvoraussetzung für die Integration in eine Gesellschaft. Von den Einheimischen wird daher eine Haltung eingefordert, die sich durch Freundlichkeit, Respekt und Wertschätzung gegenüber den Zuwanderern auszeichnet. Willkommenskultur basiert daher auf Weltoffenheit sowie auf liberalen und solidarischen Werten.

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welcome fish von woodleywonderworks unter CC BY 2.0

 
Wie ist es um diese viel beschworene Willkommenskultur in Deutschland bestellt? Bei meiner Recherche im Netz bin ich auf eine Studie von TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung gestoßen. Sie trägt den Titel „Willkommenskultur in Deutschland – Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage in Deutschland“. Die Studie ist im Jahre 2012 erschienen und gibt einen guten Überblick über die Meinung der Bevölkerung zu diesem Thema.

Im Kern kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass sich die Bürger nicht sicher sind, ob Zuwanderung die Gesellschaft bereichert oder ihr schadet. Vor- und Nachteile von Einwanderung halten sich in der Beurteilung in etwa die Waage. Positiv wirke sich nach Ansicht der Befragten die Zuwanderung für die Ansiedlung von internationalen Firmen aus und auch für die Vielfalt innerhalb Deutschlands. Gleichzeitig befürchtet man Konflikte zwischen Einheimischen und Zuwanderern und Probleme durch Migrantenkinder in der Schule. Positiv finde ich den Befund der Studie, dass jüngere Menschen die Zuwanderung positiver beurteilen als Ältere. Das macht Hoffnung auf eine weltoffenere Gesellschaft.

In einem Punkt irren sich aber die Befragten. Sie schätzen Deutschland als das attraktivste Land für hoch qualifizierte Zuwanderer ein. Dem ist nicht so. Die Arbeitsmarktöffnung für Menschen aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien im Mai 2011 ist hierfür ein Beleg. Erwartet wurden etwa 140.000 Osteuropäer pro Jahr und gekommen ist nicht einmal die Hälfte. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder auf der Messe CeBIT im Jahr 2000 vorgestellten Greencard für IT-Experten. Man dachte, dass durch die Greencard die gut ausgebildeten indischen Programmierer Schlange stehen, um in Deutschland arbeiten zu dürfen. Dieser Fall trat nicht ein und es sind viel weniger IT-Experten gekommen als man annahm. Im internationalen Vergleich ist Deutschland eben doch nicht so attraktiv, wie Viele denken. Die Aufgabe besteht darin Deutschland im „War-for-talents“ attraktiver zu machen.

 

Eine tolle Woche wünscht

Uwe Manschwetus

Bild: welcome fish von woodleywonderworks unter CC BY 2.0

Autor:

Uwe Manschwetus

Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Personalmarketing, Standortmarketing, Kulturmarketing und Digitales Marketing sind Schwerpunkte seiner Arbeit.

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