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Strategische Allianzen und Vielfliegerprogramme

Zwei den weltweiten Luftverkehr prägende Elemente sind Strategische Allianzen und Vielfliegerprogramme. Mit Hilfe von Allianzen versuchen die Fluggesellschaften u.a. ihr eigenes (Strecken-)Portfolio auszubauen und weitere Synergieeffekte zu generieren. Mit Hilfe der Kundenbindungsprogramme soll ein einmal gewonnener Passagier einer Airline erhalten bleiben und es soll für den Kunden ein Mehrwert geschaffen werden. Vielfach tätigen Airlines mit einem vergleichsweise kleinen Anteil ihrer Kunden einen Großteil der Umsätze – die Vielflieger.

Strategische Allianzen

Die drei globalen Allianzen „Star Alliance“ (23,8%), „One World“ (20,6%) und „Sky Team“ (17,8%) dominieren den weltweiten Luftverkehr, da sie zusammen mehr als 60% Marktanteil (verkaufte Passagierkilometer, sog. RPK) abdecken. Eine Übersicht aller Mitglieder dieser Allianzen und vielfältige Kennzahlen finden sich immer wieder in der Zeitschrift “Flight AirlineBusiness”.

Ihre Namen sind vielen Nachfragern bekannt. Weniger bekannt dürfte sein, dass es darüber hinaus noch (kleinere) Zusammenschlüsse gibt bzw. gab, wie bspw. die Qualiflyer Group (2001 aufgelöst), Alliance Vanille (Indischer Ozean), Xinxing in China (aufgelöst, Jahr unbekannt), AIRUnion in Russland (2008 aufgelöst) oder im Frachtbereich WOW sowie die Vorläufer der heutigen Allianzen: das ATLAS-Konsortium und das KSSU-Konsortium.

Die Allianz WOW wurde im April 200 unter dem Projektnamen New Global Cargo von Lufthansa Cargo, Singapore Airlines Cargo und SAS Cargo gegründet, 2002 kam noch JAL Cargo dazu. Der spätere Name WOW ist keine Abkürzung, sondern soll Dynamik und Innovation widerspiegeln. Unter dem Dach der Allianz werden z.B. gemeinsam Frachtkapazitäten vermarktet. Anfang 2018 sind Singapore Airlines Cargo und SAS Cargo die einzigen verbliebenen Mitglieder – Lufthansa und JAL sind 2009 bzw. 2010 ausgeschieden.

Low Cost Carrier (auch „Billigflieger“ genannt) sind seit vielen Jahren vom weltweiten Luftverkehrsmarkt nicht mehr wegzudenken. Vergleichsweise neu ist jedoch die erste Low Cost-Allianz: Anfang 2016 haben acht asiatische Low Cost Carrier die „Value Alliance“ gegründet. (Gründungs-)Mitglieder sind Cebu Pacific und Tochtergesellschaft cebgo, Jeju Air, Nok, NokScoot, Scoot (inklusive Tigerair Singapore, die mit Scoot fusioniert sind), Tigerair Australia und Vanilla Air. 2015 flogen mit der Allianz mehr als 47 Mio. Reisende. Die Mitglieder haben eine 176 Maschinen umfassende Flotte und fliegen zusammen mehr als 160 Destinationen an.

Generell arbeiten die Allianzen in der Passagier-Luftfahrt v.a. beim Flugbetrieb zusammen. Die Fluggesellschaften stimmen bspw. ihre Flugpläne aufeinander ab, nutzen einheitliche Buchungssysteme und fliegen im sog. Code-Sharing. Aber auch gemeinsame Vielfliegerprogramme sind ein gern genutztes Kooperationsfeld. Für die Zukunft plant Star Alliance eine digitale Service-Plattform, die für Flugreisende vielversprechende Ansätze beinhalten. Diese Plattform soll die Daten der einzelnen Fluggesellschaften sammeln und den 28 Mitgliedern (Stand Anfang 2018) zugängig machen. Langfristig sollen die Passagiere die Webseite oder mobile Anwendung einer Star-Alliance-Airline nutzen und dabei alle Informationen erhalten, die sie für Reisen mit mehreren Fluggesellschaften aus dem Verbund benötigen.

Flugzeug der Strategischen Allianz "Star Alliance"

Flugzeug der Strategischen Allianz “Star Alliance”, Foto: Michael Lück

Vielfliegerprogramme bei Fluggesellschaften

Vielfliegerprogramme (abgekürzt FFP, von Frequent Flyer Program) gibt es bereits seit fast 40 Jahren. American Airlines hat im Jahre 1981 als erste größere Airline ein derartiges Programm ins Leben gerufen – in Vergessenheit geraten ist meist, dass Texas International Airlines bereits 1979 ein Vielfliegerprogramm ins Leben gerufen hat. In Europa ist British Airways Vorreiter („Executive Club“ seit 1982), aber ab den 1990er Jahren, v.a. seit der Einführung von „Miles and More“ bei der Lufthansa im Jahre 1993, ist ein Vielfliegerprogramm Standard bei vielen Airlines. Selbst Low Cost Airlines und Charter-Airlines haben teilweise FFPs, so dass es mehr als 200 Frequent-Flyer-Programme gibt – eine Übersicht gibt es bei Global Flight SARL.

Die Idee, die mit einem Vielfliegerprogramm verbunden ist, ist folgende: Reisende, die an einem solchem Programm teilnehmen, werden bei Flügen mit der entsprechenden Airline Meilen, Punkte o.ä. gutgeschrieben und können bei Erreichung einer bestimmten Anzahl diese gegen Freiflüge, Upgrades in die nächste höhere Tarifklasse oder sog. Erlebnisprämien (z.B. Urlaubsreisen, Konsumgüter) einlösen. Hierbei sind die erfolgenden Meilen, Punkte o.ä. nur für einen bestimmten Zeitraum nutzbar – meist zwischen 12 und 60 Monaten. Insbesondere für Geschäftsreisende ist der sog. Elite-Staus von Interesse. Ab einer bestimmten pro Jahr gesammelten Meilenzahl erhält man diesen Status, womit weitere Vergünstigungen verbunden sind, z.B. höhere Wartelistenpriorität, kostenloser Loungezugang, Sitzplatzgarantie bei Kurzfristbuchung usw.

Bei der Wahl des eigenen Wunsch-Vielfliegerprogramms ist wichtig zu wissen, dass manche Programme eine kostenlose Mitgliedschaft offerieren und andere eine Aufnahmegebühr und/oder Gebühren für spezielle Serviceleistungen erheben, wie z.B. Air New Zealand mit einer ganzen Reihe verschiedener Gebühren, u.a. für die Nutzung einer Star Alliance-Mitgliedsairline. Weiterhin ist für die Sammlung der Punkte wichtig, dass einige Programme ohne andere Partner operieren, d.h. dass Punkte nur gesammelt werden können, wenn man mit dieser einen Fluggesellschaft fliegt. Andere Programme arbeiten dagegen mit Partnern zusammen, wie Fluggesellschaften, Hotels, Mietwagen, Kreditkarten, Telefongesellschaften und andere Unternehmen, die nicht mehr direkt dem Reisesektor verbunden sind (z.B. Zeitschriften, Einzelhandelsunternehmen). Außerdem ist wichtig zu wissen, dass die einzelnen Fluggesellschaften für das Einlösen von erflogenen Meilen, Punkten usw. eine unterschiedliche Verfügbarkeit haben. Seit 2010 wird seitens IdeaWorks eine Untersuchung zur Verfügbarkeit durchgeführt. Die letzte zur Verfügung stehende Untersuchung enthält u.a. folgende Ergebnisse:

Prämienreisen zu weit entfernten Orten werden immer zugänglicher, da die Fluggesellschaften auf Strecken über 2.500 Meilen mehr Prämien-Tickets anbieten. Für 61,1% der Abfragen im Jahr 2016 standen Prämien-Sitze zur Verfügung, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2015 (54,5%) bedeutet. Als die erste Erhebung im Jahr 2010 durchgeführt wurde, lagen die zur Verfügung stehenden Sitzen sogar „nur“ bei 43,9%. Andererseits sind die Preise für das Einlösen dieser Belohnungen im Laufe der Zeit gestiegen, was den Vorteil einer besseren Verfügbarkeit mildert.

Top 5 Airlines für Langstrecken-Prämien-Verfügbarkeit im Jahr 2016

  1. China Southern: 88,6% Verfügbarkeit
  2. Air Canada: 88,6% Verfügbarkeit
  3. Turkish: 81,1% Verfügbarkeit
  4. Lufthansa/Swiss/Austrian: 85,7% Verfügbarkeit
  5. Emirates: 77,1% Verfügbarkeit

Für den Nutzer von Vielfliegerprogrammen ist letztlich interessant, wie die Programmbedingungen oder die Vorteile der Eliteprogramme aussehen und wie viel Meilen für ein Prämien-Ticket einzulösen sind. So kann es also durchaus vorteilhafter sein, z.B. mit Airline A zu fliegen, sich seine Meilen aber nicht im Programm dieser Airline, sondern von einer anderen Fluggesellschaft gutschreiben zu lassen. Die beste Wahl ist daher von Reisenden zu Reisenden unterschiedlich – es gibt daher auch spezialisierte Dienstleister, die Privatpersonen und Unternehmen bei der Auswahl des passenden FFPs beraten. Die Mindestpunktzahl für einen Freiflug wird auch von IdeaWorks veröffentlicht (Stand 2015, Routen zwischen 251 und 2.500 Meilen), wobei eine immense Spannbreite zu sehen ist. Bei Southwest sind es durchschnittlich 9.457 Punkte, bei JetBlus 18.003 Punkte, bei Air Canada 20.933 Punkte, bei Delta 23.214 und bei United 26.607 Punkte.

Freiflug zum Traumziel durch Sammlung von Meilen möglich

Freiflug zum Traumziel durch Sammlung von Meilen möglich, Foto: Michael Lück

Kundenbindungsprogramme bei Flughäfen

Neben den weit verbreiteten Vielfliegerprogrammen bei Airlines gibt es auch ähnliche Programme an Flughäfen. Der Branchenverband ACI (Airports Council International) hat bereits 2013 ermittelt, dass es weltweit 16 kostenlose und 10 zu bezahlende Kundenbindungsprogramme gibt.

Ein Beispiel aus Deutschland war die sog. „Value Card“ in Düsseldorf, die es von 2009 bis 2014 gab. Ein noch bestehendes Angebot ist das Programm „CPH Advantage“ des Flughafens Kopenhagen. Dieses Programm gibt es seit 2011 und hatte bereits knapp ein Jahr nach der Einführung die viertel Million Teilnehmergrenze erreicht. Das Programm hat drei Mitgliederlevel: „Advantage Basic“, „Advantage Plus“ und „Advantage Premium“. Alle Teilnehmer beginnen mit dem „Advantage Basic“-Level und qualifizieren sich automatisch für das nächste Level durch Einkäufe und Bonuspunkte. Je höher die Mitgliedschaftsstufe, desto höher sind die Rabattsätze und desto mehr Bonuspunkte können gesammelt werden. Die Mitglieder erhalten nicht nur Rabatte in den Geschäften und Restaurants, der Flughafen akquiriert auch rabbatierte Flugtickets für die Teilnehmer und stellt unlimiertiertes WiFi zur Verfügung.

Dies ist ein überarbeiteter Auszug vom „Handbuch Tourismus und Verkehr“, 2. Auflage, Konstanz/München 2017.

Beiträge dieser Serie

 

Autor:

Sven Groß

Dr. Sven Groß ist seit 2005 Professor für Management von Verkehrsträgern an der Hochschule Harz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Tourismus und Verkehr, Travel Management, Abenteuertourismus sowie touristische Marktforschung. In diesen Themenfeldern hat er fast 100 Beiträge publiziert. Zusammen mit seiner Frau Prof. Dr. Matilde S. Groß ist er Betreiber des Informationsportals www.tourismusundverkehr.de. Dort steht u. a. eine umfangreiche Sammlung an Informationsquellen in den Themenfeldern Tourismus und Verkehr zur Verfügung.

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