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NOTIZEN AUS DER WUNDERBAREN WELT DES MANAGEMENTS (FOLGE I)

Die Lichtgestalten aus manager magazin oder Capital sind nicht unbedingt repräsentativ für die Zunft der deutschen Manager. Auf meinen diversen beruflichen Stationen habe ich gelernt: Im Management tummeln sich mindestens ebenso viele Menschen mit kleinen und größeren Macken wie in anderen Berufen auch. Insbesondere Berufseinsteiger sollten sich darauf gefasst machen, es in der Praxis manchmal mit merkwürdigen oder rätselhaften Verhaltensweisen ihrer Chefs oder Kunden zu tun zu haben. Hier einige Beispiele, alles persönliche Erlebnisse.

Low Cost Marketing: Für einen Anbieter hochwertiger High-End-Komponenten entwerfen wir einen Messestand für die CeBIT. Wir empfehlen, die Produkte auf (gemieteten) Edelstahlregalen zu präsentieren. Unser Kostenvoranschlag bewegt sich im üblichen Rahmen, stößt aber bei unserem Kunden auf totales Unverständnis. Seine Alternative: mit Alufolie beklebte Pappkartons. „Die kann man dann auch öfter verwenden“. Sagt’s und entschwindet in seinem SUV.

Corporate Culture: Die Reinigungkraft beklagt sich bei mir, dass sie bei unserem Arbeitgeber immer erst um ihre Auslagen für Reinigungsmittel betteln müsse, und das nicht selten vergeblich. Abends besuche ich eine Vortragsveranstaltung der IHK. Referent: unser Geschäftsführer. Sein Thema: Unternehmensethik.

Begrenztes Vertrauen: Im Büro steht hat ein neuer Drucker-Fax-Scanner. Die Bedienung ist kinderleicht. Unser Chef verfasst dennoch, ergänzend zur Gebrauchsanweisung, eine eigene „Zehn-Schritte-Anleitung“, die er übers Gerät hängt. Außerdem gibt er uns eine halbstündige Einweisung. Das Ganze wird durch den Spruch gekrönt: „Wenn Sie das Gerät benutzen wollen, kommen Sie bitte zu mir, ich mache das dann.“

International Management: In New York präsentiere ich  bei einem Papierhersteller eine Analyse über den deutschen Markt der Hygienepapiere. Als Muster habe ich ein Dutzend Klopapierrollen dabei: zwei-, drei- und vierlagig, geblümt, ökologisch, luftgepolstert, veredelt, recycelt, supersoft usw. In den USA kennt man diese Vielfalt nicht. Bei Donuts und Coffee beginnen die US-Manager voller Ernst über das breite Angebot zu spekulieren: Könne es vielleicht am deutschen Essen liegen oder gar an physiologischen Besonderheiten der Deutschen? Ich kläre sie auf: Alles nur Marketing.

Businessman with balloon

© lassedesignen / Fotolia

Time is money: Meine zahlreichen Anläufe, mit unserem Berliner Beratungskunden aus der Elektronikbranche einen Gesprächstermin zu vereinbaren, waren alle gescheitert. „Mr. Hektik“ hatte nie Zeit. Sein Vorschlag: eine Flugzeugkonferenz. Bei seinem nächsten Geschäftstermin in München solle ich auf Firmenkosten mit ihm fliegen. Wir hätten dann im Flieger rund eine Stunde, um in Ruhe zu reden. Anschließend könne ich wieder zurückfliegen. Ticketpreis: ein Mehrfaches meines Stundenhonorars.

OP gelungen, Patient tot: Einer der – laut Eigenaussage –  „profiliertesten Unternehmensberater Deutschlands“ versucht sich als Krisenretter bei einem mittelständischen Leuchtenhersteller, für den ich einen Werbekatalog konzipiert hatte. Von dem verordneten Sparprogramm (inklusive des kleinen Werbeetats) hat sich der Betrieb nicht mehr erholt. Kurze Zeit später war Schluss – kaputtgespart. Irgendwann später lese ich in der Fachpresse ein Interview mit dem Consultant. „Haben Sie in Ihrer Beratungspraxis jemals Fehler gemacht?“ „Nein, nie“. Ging was schief, seien die Firmenchefs schuld gewesen, die „die Verantwortung für die Umsetzung meiner Empfehlungen“ hatten“, oder er sei „viel zu spät gerufen“ worden.

Hot Shop: Die Grafikabteilung legt ihre Plakatentwürfe für ein Reiseunternehmen dem Creative Director (CD) der Frankfurter Werbeagentur vor. Alle Blätter liegen zur Begutachtung auf dem Boden. Auf den Entwürfen, die dem CD nicht gefallen, trampelt er mit seinen Western Boots solange herum, bis sie zerfetzt sind. Merkwürdig, sein Team liebt ihn trotzdem.

Lernen im Schlaf: Vor dem Seniorchef, seinem Sohn und den Abteilungsleitern eines Fleischwarenproduzenten präsentiere ich Marktforschungsergebnisse. Zugegebenermaßen schwere Kost. Ich sehe, wie dem alten Herrn langsam die Augenlider runterklappen. Ich spreche schneller, leiser, lauter, langsamer, aber es nutzt alles nichts. Nach einigen Minuten ist er sanft entschlummert und fängt an zu schnarchen. Das passiert wohl öfter; keiner wagt es, ihn zu wecken. Was tun? Man bedeutet mir, ich solle einfach weitermachen. Gegen Ende des Vortrags wird er plötzlich wach, schüttelt sich kurz und bedankt sich bei mir „für die interessanten Ausführungen“.

Fortsetzung folgt

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Übersicht der Serienbeiträge

Autor:

Horst Kleinert

Prof. Dr. Horst Kleinert ist Professor (em.) für Marketing mit den Schwerpunkten Werbung, Tourismus und Existenzgründung. Heute ist er Gründungscoach und Fachautor in Berlin.

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