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TRM in Zeiten der Flüchtlingsintegration

Das Talent Relationship Management (TRM) ist heute wichtiger denn je. Es kann nämlich zur Bewältigung der Flüchtlingsintegration auf dem Arbeitsmarkt beitragen, wenn genügend Unternehmen die Chance ergreifen, die für sie interessanten Potentialträger unter den nach Deutschland geflüchteten Menschen gezielt zu suchen, zu unterstützen und frühzeitig an sich zu binden.   

Unternehmen scheuen sich Flüchtlinge einzustellen

Allein bis zum Ende dieses Jahres geht die Bundesanstalt für Arbeit davon aus, dass rund 350 000 anerkannte Asylbewerber Ausbildung und Arbeit in Deutschland suchen werden, Tendenz steigend. Aktuell scheuen sich allerdings noch viele Unternehmen davor Flüchtlinge anzustellen und somit in diese zu investieren. Dies zeigen Umfragen, die zu erschreckenden Ergebnissen kommen. So beschäftigen beispielsweise die 30 Dax-Unternehmen zusammen auch ein Jahr nach Beginn der Flüchtlingskrise nur gut 100 Flüchtlinge. Schuld daran seien zum einen die geringe Planungssicherheit, dass Mitarbeiter mittel- und langfristig in Deutschland bleiben dürfen und zum anderen auch Beschäftigungshürden seitens der Behörden. Zu bemängel sind dabei vorrangig die zu langen Wartezeiten für Integrations- sowie Sprachkurse. Somit wird die Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt viel Geduld und Zeit benötigen. Doch genau diese drängt im Angesicht von in diesem Jahr noch 172.000 freien Lehrstellen. Ein Rekord, denn so viele offene Stellen gab es noch nie. Die Aufgabe vor allem für mittelständische Unternehmen, die mit 99% den Hauptteil aller Unternehmen in Deutschland ausmachen, besteht darin, hochmotivierte Arbeitskräfte frühzeitig an sich zu binden und sie für eine Ausbildung zu begeistern.

Chancen durch Talent Relationship Management (TRM)

Eine hierfür vielversprechende Lösungsmöglichkeit zur Personalgewinnung bietet das Talent Relationship Management. Gemäß Marcus Fischer, Manager beim Autobauer AUDI, handelt sich beim TRM um den „Aufbau und das aktive Management von Beziehungen zu potenziellen Kandidaten und Mitarbeitenden aus Engpasszielgruppen mit dem Ziel, über den Aufbau von Pools eine höhere Qualität der Besetzungen in kürzerer Zeit zu erreichen“ [1].

Für Unternehmen bedeutet dies: Flüchtlinge frühzeitig ansprechen, potentielle Kandidaten in einen Talent Pool aufnehmen und den Kontakt persönlich pflegen bis z. B. eine Aufenthaltserlaubnis geklärt ist oder ein Integrations-/Sprachkurs absolviert wurde, um in diesem Prozess dem Flüchtling schnellstmöglich eine Stelle anbieten zu können. Währenddessen wird eine starke Bindung an das Unternehmen geschaffen, die wiederum zu Wettbewerbsvorteile im Vergleich zu anderen Unternehmen führen, wenn es darum geht, die besten Kandidaten von sich zu überzeugen und offene Stellen in Zukunft schneller besetzen zu können.

Empirische Studie zu Erfolgsfaktoren des TRM

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Der Wirtschaftspsychologe Niko Fox thematisiert den Einsatz von TRM zur Personalbeschaffung unter Beachtung der zukünftigen Arbeitsmarktsituation in der Praxis von mittelständischen Unternehmen in seinem Buch, das hier im THURM Wissenschaftsverlag erschienen ist [2]. Auf Basis einer empirischen Studie untersuchte er u. a., ob nötige Rahmenbedingungen in Unternehmen vorherrschen und inwiefern TRM erfolgsversprechend umgesetzt wird. Aus seinen gewonnenen Erkenntnissen konnten realisierbare Handlungsempfehlungen für die Personalpolitik der Unternehmen abgeleitet werden, die für alle umsetzbar sind. Mit dem TRM können Unternehmen für sich selbst und zusätzlich für die Flüchtlingsintegration in den Arbeitsmarkt Erfolge erzielen.

 

[1]  Fischer, M. (2011): Talent-Relationship-Management – die Beziehung macht den Unterschied. In: Ritz, A. & Thom, N.(Hrsg.): Talent Management (2. Auflage). S.84. Wiesbaden: Gabler Verlag

[2]  Fox, N. (2015): Die Bedeutung des Talent Relationship Management für die zukünftige Besetzung von Schlüsselpositionen in mittelständischen Unternehmen. Lüneburg: Thurm Verlag

Autor:

Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Personalmarketing, Standortmarketing, Kulturmarketing und Digitales Marketing sind Schwerpunkte seiner Arbeit.

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