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BGM I: Selfempowerment und Selfentpowerment. Gesundheitsmanagement durch balancierte Be- und Entlastung

Teil 1: Der Innere Druck oder warum das Betriebliche Gesundheitsmanagement BGM so oft scheitert.

Ein paar Eingangsfragen: Wenn Sie morgens aufstehen, was denken Sie?

  1. Juhhuuu! Ein harter Tag! 6 Meetings, zwei Mitarbeitergespräche, dann Flug nach München zu einem neuen Kunden? Adrenalin ist mein Lieblingshormon!
  2. Ohh… Mann… aufstehen. Naja, wat mutt dat mutt.
  3. Bitte nicht. Bitte noch eine Viertelstunde. Sooo viele Termine heute. Naja, der Tag wird auch vorüber gehen.
  4. Schön, ich freue mich auf das was kommt. Yuppidei!

Diese kleinen lustigen Kerlchen werden Ihnen mehr Lebensfreude und Gesundheit bringen. Aber vorher erleben sie noch Einiges..

Diese kleinen lustigen Kerlchen werden Ihnen mehr Lebensfreude und Gesundheit bringen. Aber vorher erleben sie noch Einiges..

Egal wie – schon wenn wir aufwachen schlägt der Innere Leistungsmensch in voller Wucht zu. Erst als Kopfkino, dann als unerbittliche Realität. Kinder füttern, zur Schule bringen. Schnell selbst noch unter die Dusche. Dann, hetz hetz, zur Arbeit. Den Vordermann von der Fahrbahn schubsen. Im Büro erste Entscheidungen rufen, bevor der Mantel ausgezogen ist. Stolz auf eigene „Multitasking-Fähigkeit sein“ und überlegen, ob man beim Telefonieren nicht gleichzeitig neben Emails beantworten, auf die Uhr schauen, das Frühstück `reindrücken auch noch die Mitarbeiterin kritisieren kann….

Gestresst? Nein, sondern herausgefordert? Das Denken „Es gibt keine Probleme, nur Lösungen“ zu Eigen gemacht? Den Satz „Klar habe ich Zeit für Sie“ endgültig gestrichen unter der Annahme, dass man dann mindestens Looser des Tages ist, weil man noch einen Platz im Terminkalender frei hat? Prima, dann sind Sie der Kandidat für Haarausfall, Rückenschmerzen, Sodbrennen, überflüssige Fettablagerungen. Wenn Sie Glück haben. (Jetzt denken Sie: Bitte, nicht noch so ein Weichspüler-Artikel? Bleiben Sie kernig und lesen Sie weiter).

Wenn Sie dann nach Hause kommen, können Sie nicht abschalten, stimmt´s? Die nächste Leistung muss erbracht werden, ab zum Sport. Aber nur mit Fitnessarmband, denn man will ja auch Ergebnisse sehen. Und wenn endlich, endlich Ruhe ist, dann überlegen Sie schon, wie Sie dieses unangenehme Gefühl wieder los werden?

Darf ich vorstellen: Guten Tag, ich bin der Innere Leistungsmensch

Man hört es ja so nebenbei (aber das kann einem selbst ja nicht passieren): Noch nie waren so viele Menschen überbelastet, klagen über gesundheitliche und psychische Probleme, können nicht mehr. Zu sensibel, zu faul, haben sich nicht im Griff? Nein, lieber Innerer Leistungsmensch. Es trifft in erster Linie Personen, die sogar außerordentlich leistungsfähig sind. Die sich begeistern, engagieren, für etwas „brennen“. Wenn jedoch durch irgendwelche miesen Umstände das, wofür sie sich begeistern und engagieren, entzogen wird, dann ist Schluss mit Lustig. Und „Entzug“ bedeutet nicht „nur“ Arbeitsplatzverlust. „Entzug“ kann auch sein: ständige Kritik und mangelnde Anerkennung von außen. Rente. Fehlen von Sinn.

„Entzug“ kann aber auch sein: Ständiger innerer (eigener, selbstproduzierter) Verbesserungsdrang (genannt: Perfektion), das Bestreben auf den äußeren Druck noch einen draufzusetzen und noch mehr von sich zu verlangen, das Verlernen sich über Erfolge zu freuen, das Verlernen des Satzes „Ich habe Zeit“ (Eine Aussage, die den Inneren Leistungsmenschen unweigerlich zu der Annahme führt, dass jemand mit Zeit eine arme Sau sein muss, denn wer Zeit hat, hat wenig Geld.) Dafür gehört im Gegenzug der Satz  „Ich  bin gestresst“ beim Inneren Leistungsmenschen – ebenso wie der SUV vor der Tür – zum Statussymbol.

Innerer Leistungsmensch

Sind Sie gestresst? Schauen Sie in das – kostenlose - Übungsbuch 
„Selfempowerment – Selfentpowerment“ unter  Seite 71 ff. Dort finden Sie u.a. 
einen Test „Meine Stressfaktoren“ und „Förderung meiner Selbstmotivation“.

Betriebliches Gesundheitsmanagement – eine Farce? Oder: Guten Tag, ich bin der Innere Leistungsmensch mit einem Geschenk.

Gute Firmen nehmen sich des Problems an und sagen: Wir tun etwas für die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Löblich: Sportangebote, Yogapausen, Ernährungs-und Suchtberatung, ergonomische Tische und Stühle, Tischfußball im Aufenthaltsraum. Nur: irgendwie wirkt es nicht so richtig. Die Krankheitsraten bleiben hoch, Frau Müller hat immer noch Rücken, und Herr Meier immer noch den Flachmann in seiner Schublade.

Das Geheimnis an der ganzen Geschichte: Es ist gar nicht mehr in erster Linie der Druck von außen, vom Chef, von der nächsten Zielvereinbarungsrunde. Der Witz ist: Wir haben uns diesen äußeren Druck schon längst zu Eigen gemacht. Und noch besser: perfektioniert. Jetzt ist er endgültig da: „Guten Tag, ich bin der Innere Leistungsmensch. Und ich bringe ein Geschenk mit, den Inneren Leistungsdruck, das ist der, den Du Dir schön reden kannst. Weil Du ab jetzt ein besserer Mensch bist, leistungsbereiter, erfolgreicher als Andere“.

Mit anderen Worten: BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) wirkt nicht (oder nicht so wie gewünscht) weil der Innere Leistungsmensch diesem betrieblichen Konzept schon längst voraus ist und statt Tischfußball den nächsten Titel „Iron (Wo)Man des Jahres“ anpeilt. Kurz: der Innere Leistungsdruck ist locker am Äußeren vorbei gejoggt. BGM – Betriebliches Gesundheitsmanagement – wirkt auch nicht, weil die Angebote, so gut sie auch gemeint sind, eher noch mehr Stress erzeugen („Jetzt muss ich auch noch zum Betriebssport bleiben, dabei will ich lieber auf dem Sofa zu Hause liegen). Oder: es wirkt, aber nur bei denen, die sich ohnehin schon Gedanken machen. Es erreicht jedoch nicht diejenigen, für die es auch noch entwickelt wurde, nämlich die Personen die sagen:“Betriebssport? Ich habe Besseres zu tun. Wo ist das nächste Projekt?“.

Irgendwann ist Schluss

Lieber Innerer Leistungsmensch, wenn Du Dir die Zeit nimmst und kurz mal darüber nachdenkst, ist es schon klar, dass das „Konstrukt des Inneren Drucks“ eine mittelfristige Haltbarkeit hat, oder? Dass Dein Geschenk gesponsert  ist vom Finanzminister und Aktionären, und, on top, von Dir selbst? Denn ob Du willst oder nicht: Wir sind immer noch Menschen. Und unser System funktioniert genau wie vor ein paar Millionen Jahren, als es noch keine Aktionäre und schnelle Autos gab, ob Du willst oder nicht. Zu dieser Zeit waren wir Jäger, Sammler, Bauern. Wir jagten ein Mammut (=Stress) und anschließend feierten wir und rannten ums Lagerfeuer (=Ruhe, Freude). Wir beackerten Felder (=Stress) und im Winter saßen wir vor dem Ofen und erzählten Geschichten (=Ruhe). Mit anderen Worten: es war normal, dass nach den stressigen Zeiten auch Ruhephasen folgten. Es war nicht nur normal, es war und ist gesund, überlebenswichtig, denn hiernach funktioniert unser gesamtes Hormonsystem mit all seinen Folgen.

Ein fantastisches Video, welches sehr eingänglich zeigt und 
erklärt, was in unserem System passiert: 
Stress and the Brain: It's all about balance

Was ist zu tun?

Fazit: der Innere Leistungsmensch, der länger nett leben will – und ebenso auch das BGM (Betriebliches Gesundheitsmanagement) – muss also an ganz anderer Stelle ansetzen.  An dem Menschen, seinen Einstellungen, seinen Glaubenssätzen, also an den Ursachen, nicht an der Umgebung. An einem Konzept der individuell balancierten Be- und Entlastung. Das ist nicht mal eben so gemacht, das braucht. In erster Linie Wissen. Wissen aus psychologischer, aus medizinischer, neurowissenschaftlicher , aus betriebswirtschaftlicher, ernährungswissenschaftlicher, sozialwissenschaftlicher Sicht. Nur so kann ein wirksames Gesamtkonzept entstehen, welches uns gleichermaßen davon abhält, nur einen Aspekt aus den vielen zu DEM! zu ernennen und zu unserem eigenen Guru zu werden – und wieder neue Belastungen aufzubauen.

Daher: Lesen Sie im Teil II: Vom Inneren Leistungsmenschen zum Inneren Gesundheitsmanager.

Zum Konzept „Selfempowerment – Selfentpowerment. Die balancierte Be- und Entlastung“

Das Konzept Selfempowerment und Selfentpowerment ist entwickelt für High Potentials und Personen mit hoher Leistungsorientierung – ob Manager, Führungskräfte, Studenten, Mütter, die Liste ist lang.

Es beruht auf dem Ziel, Leistung langfristig und nachhaltig unter Wahrung der eigenen Gesundheit erbringen zu können. Es beruht auf dem Gedanken, dass Leistung dann langfristig möglich ist wenn Anspannung und Entspannung in einem richtigen, individuellen Verhältnis stehen. Ziel ist es, den Inneren Leistungsmenschen einen Freund zu geben, den Inneren Gesundheitsmanager – und so den High Potential um den Health Potential zu ergänzen.

Zu dieser Serie

Wir können leisten, und wir wollen leisten. Die Voraussetzung für Leistung liegt in einem guten Energiemanagement, einem ausbalancierten Haushalt von eigenen Werten, Normen, Einstellungen, Techniken und in erster Linie in unserer Gesundheit, die Ursprung und Folge unserer Handlungen* ist. Diese Artikelserie möchte ich von verschiedensten Seiten betrachten, wissenschaftliche Erkenntnisse mit einbringen, Glaubenssätze hinterfragen, Alternativen aufzeigen.

Zusatzmaterialien

Für meine Studenten und Seminarteilnehmer habe ich ein Übungsbuch zum Konzept Selfempowerment und Selfentpowerment geschrieben – klar, verständlich, ohne Schnickschnack. Wenn Sie mögen, schauen Sie einmal (kostenlos) hinein.

Herzlichst, Ihre Silke Wöhrmann

APT Human Management | APT Personalmarketing | 4P-Leadership

 

 

 

 

 

Autor:

Silke Wöhrmann

Silke Wöhrmann, Dipl.-Kfm., Personalentwicklerin, Coach, Trainer und Berater, Autorin Schwerpunkt Führungskräfteentwicklung, Lehrbeauftragte für Personalpsychologie, HRM, Social Skills & Führung an Hamburger Hochschulen. Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der APT Personalmarketing und APT Human Management. Kontakt: info[at]apt-woehrmann.de Internet www.apt-human-management.de, www.4P-leadership.de

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