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Fachkräftemangel: Krankenschwestern und Bankkaufleute gehören nicht in einen Topf

 

Ich habe mit Pauschalurteilen so meine Schwierigkeiten. Klar, ich spreche auch pauschalierend von „dem Fachkräftemangel“, denn es ist nicht immer möglich alle Differenzierungen mitzuformulieren – so ein Text wäre für jeden Leser eine Zumutung. Tatsächlich stellt sich der Fachkräftemangel aber sehr unterschiedlich da. Es gibt jede Menge promovierte Mathematiker, Philosophen, oder Soziologen, für die der Arbeitsmarkt keine Stellen bereithält, die ihrer Qualifikation entsprechen. Sie sind die Bildungsprekarier, während z. B. Maschinenbauingenieure die Superstars des Stellenmarktes sind.

Die Studie „Berufe im demografischen Wandel“ präsentiert ein sehr differenziertes Bild der Zukunftschancen einzelner Berufe. Die Studie, die an der Universität Rostock im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales entstand, basiert im Wesentlichen auf Alterungsanalysen. Bei den Fertigungsberufen konnten insbesondere bei den Drehern und Fräsern Engpässe nachgewiesen werden. Bei den MINT-Berufen sind Ingenieure gesucht und in den Gesundheitsberufen mangelt es an Krankenschwestern. Gerade in diesem Beruf zeigt sich eine große Veränderung des Durchschnittsalters. Seit 1993 steigt das Durchschnittsalter von damals etwa 35 Jahren kontinuierlich an und könnte der Prognose zufolge bis zum Jahre 2020 auf ein Durchschnittsalter von fast 47 Jahre ansteigen. Mit anderen Worten: Der Anteil der Arbeitskräfte die altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden, erhöht sich stetig und befeuert so den Fachkräftemangel in diesem Sektor.

Demgegenüber ist die Situation für die Unternehmen in kaufmännischen Berufen noch relativ entspannt. Bei Bankfachleuten und Buchhaltern gibt es kaum Engpässe. Mir gefällt an der Studie, dass sie dafür plädiert, die Situation in den einzelnen Berufsfeldern sehr detailliert zu betrachten. Man kann eben nicht alles über einen Kamm scheren. In Bezug auf die Gesamtsituation kommen die Autoren Thusnelda Tivig, Golo Henseke und Jens Neuhaus nach einer Erörterung verschiedener Strategien im Resultat zu folgendem Befund: „Was bleibt, ist das Potenzial gezielter Immigration von Fachkräften aus Ländern, die sich zumindest auch im demografischen Wandel befinden, denen konjunkturelle oder politische Umstände aber keine adäquaten Beschäftigungsmöglichkeit im eigenen Land bieten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Eine tolle Woche wünscht

Uwe Manschwetus

Grafik: http://www.inqa.de/SharedDocs/PDFs/DE/Publikationen/berufe-im-demografischen-wandel.pdf?__blob=publicationFile
 

Autor:

Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Personalmarketing, Standortmarketing, Kulturmarketing und Digitales Marketing sind Schwerpunkte seiner Arbeit.

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