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Kernkompetenzen – der Schlüssel zum Erfolg

Meist bewundern wir an anderen genau die Fähigkeiten und Eigenschaften, über die wir selbst nur ansatzweise verfügen. Dennoch sollten wir der Versuchung widerstehen, vermeintlichen Vorbildern unkritisch nachzueifern. Die Erfahrung lehrt, dass wohl jede Lichtgestalt auch ihre Schattenseiten hat. (Selbst der Papst hat sich jüngst als Sünder geoutet.) Mitunter decken die Medien Skandale auf, die uns die düsteren Seiten geachteter Prominenter aus Wirtschaft, Kultur und Politik zeigen: Hinter Durchsetzungskraft können sich Machtgier und Unbeherrschtheit verbergen, hinter dominantem Auftreten Unsicherheit, Selbstzweifel und Eitelkeit. Alles hat eben seine zwei Seiten. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, an den Kompetenzen zu arbeiten, die für den beruflichen Erfolg ausschlaggebend sind.

Eine ganze Seminarindustrie steht bereit, uns privat und beruflich auf die Sprünge zu helfen. Meist geht es dabei um die Vermittlung fachübergreifender Methoden und Techniken für mehr Effizienz (sog. Softskills). Die Palette der angebotenen Seminare umfasst Themen wie „Feuerlauf für den beruflichen Erfolg“ oder „Charisma-Training für Manager“ bis hin zu „Meditative Selbstfindung im Job“ – alles gewiss hochinteressant. Ich empfehle im Bedarfsfall dennoch mehr die Basics: Seminare mit den Inhalten

  • kommunikative Kompetenz (z. B. Rhetorik, Verhandlungsgeschick und Präsentation),
  • Kreativität 
(z. B. Ideenentwicklung, Kreativitätsmethoden),
  • Selbstmanagement 
(z. B. Selbstorganisation, Work-Life-Balance, Entscheidungsfindung, Zeitplanung, Stressbewältigung),
  • Führungs- und Sozialkompetenz (z. B. Moderations- und Mediationstechniken, Coaching).

Kann man Softskills aus Büchern lernen?

Die vermittelten Fähigkeiten werden Ihnen nicht nur im Berufsleben von Nutzen sein. Erwarten Sie jedoch keine Wunder. Ein Wochenendseminar kann bestenfalls ein Strohfeuer entfachen oder sogar durch Übermotivation und zu intensiver Selbstbeobachtung zu großer Verunsicherung führen. Mein Blog im Personalthurm („Notizen aus der wunderbaren Welt des Managements“, Folge V) beschreibt dazu eine Szene aus einer Verkäufer-„Blitzschulung“, die bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen hat: Ich konnte gestandene Profis bei dem Versuch beobachten, die ihnen demonstrierten Phasen einer „optimalen Kundenbegrüßung“ praktisch umzusetzen. Selbst das Geradeauslaufen fiel denen plötzlich schwer. Die Verkäufer ertrugen es gottlob mit Fassung. Nehmen Sie also die meist vollmundige Reklame der Kursanbieter („Zwei Tage, die Ihr Leben verändern werden!“ o. ä.) nicht allzu wörtlich.  Kann man Softskills aus Büchern lernen? Ratgeberbücher können Ihnen einen ersten Überblick geben, sie ersetzen aber kein Training. Wenn Sie noch nicht genau wissen, welche Softskills in dem von Ihnen anvisierten Tätigkeitsfeld gefragt sind, so werfen Sie einen Blick in die Stellenanzeigen der Fach- und Tagespresse. Geht es um Spitzenpositionen im Management, bleiben allerdings einige der sog. Alpha-Faktoren, die für eine Top-Karriere förderlich sind, unerwähnt: Schlitzohrigkeit, Schauspielerei, Skrupellosigkeit … (Sorry, das ist vielleicht etwas übertrieben.)

Erforderlich sind individuell zugeschnittene Konzepte

Das in der Schule und der Ausbildung erworbene Wissen reicht heutzutage für eine befriedigende, jahrelange Berufstätigkeit bekanntlich nicht mehr aus. Erforderlich sind individuell zugeschnittene Konzepte lebenslangen Lernens, um – nicht nur beruflich – am Ball zu bleiben. Die sich rasant entwickelnde Informations- und Kommunikationstechnologie ist dafür ein Beispiel: Die neuen Medien zwingen uns zu einem permanenten Lernprozess, wenn wir zukünftig unseren Alltag eigenständig bewältigen wollen. Für Jüngere sicher kein Problem – aber auch sie werden früher oder später spüren, dass die Anpassung an veränderte technische, soziale oder ökonomische Rahmenbedingungen nicht von allein gelingt. Ohne Lernkompetenz laufen wir Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Dass neben den Softskills dem beruflichen „harten“ Fachwissen und Können ein hoher Stellenwert zukommt, versteht sich von allein. Fachqualifikation und Softskills gehören zusammen wie die zwei Seiten einer Medaille.

Hürden meistern mit individuellen Programmen

Individuelle Lernprogramme

Bei der Erarbeitung Ihres individuellen Lern- und Weiterbildungsprogramms sollten Sie berücksichtigen, dass Sie nicht jede Schwäche oder jedes Defizit beheben können. Ohne ein Mindestmaß an Sprachenbegabung wäre es beispielsweise sehr mühsam, sich mehrere Fremdsprachen anzueignen. Meist ist es empfehlenswerter, vorhandene Stärken, für die man talentiert ist, auszubauen, als sich zeit- und arbeitsintensiv um die Beseitigung von Schwachstellen zu kümmern. Eine besondere Stärke weiter auszubauen, kann nie verkehrt sein:
Personen, die über eine herausragende Fähigkeit verfügen, profitieren häufig vom sog. Halo-Effekt (engl. für Heiligenschein): Auch die eher durchschnittlichen Fähigkeiten und Eigenschaften werden unbewusst von ihren Mitmenschen positiv beurteilt. Der Halo-Effekt lässt die ganze Person in einem glänzenden Licht erscheinen. Mit der Realität hat das nichts zu tun, mehr mit Psychologie. Das weiß zum Beispiel auch die Werbung geschickt zu nutzen. Wie sonst würde einem Top-Fußballspieler oder einer Leinwandberühmtheit die Kompetenz für Kapitalanlagen oder Solarenergie abgenommen werden?

Selbstüberschätzung und Selbstzweifeln

Die eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften objektiv beurteilen zu wollen, ist nicht einfach. Meist schwanken wir zwischen Selbstüberschätzung einerseits und Selbstzweifeln andererseits. Wollen wir Klarheit, hilft uns nur das Urteil kompetenter Dritter weiter. Sie könnten zum Beispiel Freunde fragen, denen Sie vertrauen, oder Sie bitten einen erfahrenen Coach um Rat. Er hilft Ihnen, Ihre Potenziale zu erkennen, d. h. herauszufinden, über welche ausbaufähigen Stärken, Erfahrungen und Talente Sie verfügen. „Du kannst alles erreichen, was du willst?“, suggeriert zwar ein Buchtitel aus der Ecke der Lebenshilfe- und Ratgeberliteratur, doch leider stimmt das nicht. Stellen Sie sich vor, Picasso hätte unbedingt Komponist werden wollen, und Mozart Maler. Welch ein Verlust für die Menschheit.

Strategische Lebensgestaltung

Ob Sie das, was Sie erreichen wollen, auch erreichen könnten, hängt aber nicht nur von Ihren Potenzialen ab, sondern auch von dem Weg, der Sie zu Ihren Zielen führen soll – Ihrer Strategie. Um so zu leben, wie es Ihren Wünschen und Möglichkeiten entspricht, müssen Sie private und berufliche Bereiche berücksichtigen – und bereit sein neue Wege einzuschlagen. All das verstehe ich übrigens unter strategischer Lebensgestaltung – unter Life Management.

Autor:

Horst Kleinert

Prof. Dr. Horst Kleinert ist Professor (em.) für Marketing mit den Schwerpunkten Werbung, Tourismus und Existenzgründung. Heute ist er Gründungscoach und Fachautor in Berlin.

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