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Fünf Dinge, auf die wir 2015 verzichten können. Fünftens: Augen zu und weiter so

Zu dem Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes steht Borussia Dortmund auf dem letzten Tabellenplatz der Fußballbundesliga. Der BVB war achtmal Deutscher Meister, Champions League Sieger und Weltpokalsieger. Ein Spitzenclub von dem der Trainer des Ligakonkurrenten FC Bayern München gerade gesagt hat: „Ich schätze Jürgen Klopp, ich schätze den BVB. Sie haben super Spieler, eine Spitzenmannschaft. Aber heute sind sie Tabellenletzter. Das kann uns auch passieren.“ Kann ein solcher Abstieg im übertragenen Sinne auch deutschen Unternehmen oder der deutschen Wirtschaft passieren?

Deutsche und internationale Firmenpleiten

Die Antwort ist einfach: Selbstverständlich. Die deutsche Wirtschaftsgeschichte ist voll von Beispielen ehemaliger Top-Unternehmen unterschiedlichster Branchen, die Pleite gingen (was wir dem BVB nicht wünschen):

  • Arcandor (Kaufhaus und Touristik)
  • Q-Cells (Solarenergie)
  • Neckermann und Quelle (Versandhändler)
  • Schlecker (Drogeriemarkt)
  • Praktiker und Max Bahr (Baumärkte)
  • KirchMedia (Medienkonzern)
  • Karmann (Automobilhersteller)
  • Schiesser (Textilunternehmen)

Auf der internationalen Bühne fällt es auch nicht schwer, Firmen zu identifizieren, die vormals eine hervorragende Marktposition hatten, bevor sie Konkurs anmelden mussten:

  • PanAm und Swissair (Fluggesellschaften)
  • Polaroid (Kameras)
  • Enron (Energiekonzern)
  • MCI WorldCom (Telefongesellschaft)
  • Lehman Brothers (Bank)

MCI WorldCom war die drittgrößte Telefongesellschaft der Welt und Lehman Brothers die viertgrößte Investment Bank der USA. Für die betroffenen Mitarbeiter, die Anteilseigner und manchmal auch die Kunden ist eine Firmeninsolvenz schlimm. Sofern es sich nicht um ein systemrelevantes Unternehmen handelt – wie dies bei manchen Banken der Fall ist – ist der Niedergang eines Unternehmens für eine Volkswirtschaft aber nicht dramatisch. Es gehört zu den Spielregeln der Marktwirtschaft, dass nicht-wettbewerbsfähige Firmen vom Markt verschwinden.

Niedergang großer Mächte

Doch es können auch ganze Volkswirtschaften, Nationen oder Weltreiche in einen Abstiegsstrudel gerissen werden. Der britische Historiker Paul Kennedy hat im Jahr 1987 sein Buch „Aufstieg und Fall der großen Mächte – Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500-2000 “ veröffentlicht, in dem er ein Muster von Aufstieg und Verfall identifizierte:

  1. Aufstieg
  2. Überdehnung
  3. Erschöpfung
  4. Abstieg

Aufstieg und Fall der großen Mächte: Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000

Innovative Unternehmen sind der Schlüsselfaktor

Paul Kennedy vertritt die These, dass ökonomische Entwicklungen über den Erfolg von internationalen Mächten entscheiden. Damit wären wir wieder bei den Unternehmen, denn sie sind der zentrale Ort der Wertschöpfung in einer Volkswirtschaft. Um einen ökonomischen Niedergang zu verhindern, müssen die heimischen Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Das können sie aber nur durch eine ständige Anpassung an sich verändernde ökonomische und soziale Umfeld-Bedingungen. Die notwendige Zuwanderung internationaler Fachkräfte, eine älter werdende Gesellschaft, die fortschreitende Globalisierung und andere Tendenzen erfordern flexibles Handeln. Eine Strategie des „weiter so“ ist kein Konzept. Es gilt das Motto: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Ein zukunftsorientiertes Unternehmen braucht motivierte Mitarbeiter und kreative Ideen. Daher gefallen mir Firmen, die neue Wege gehen, wie zum Beispiel auticon GmbH, die als erstes Unternehmen in Deutschland ausschließlich Autisten als Consultants im IT Bereich beschäftigen. Diese Personen verfügen über außergewöhnliche Fähigkeiten im Bereich der Mustererkennung, Präzision und Logik. Auf träge Unternehmen, die sich lediglich auf ihren Lorbeeren ausruhen, Geld scheffeln und sich ein arrogantes „Too big to fail“ leisten, können wir dagegen gerne verzichten.

Eine schöne Woche wünscht

Uwe Manschwetus

 

Autor:

Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Personalmarketing, Standortmarketing, Kulturmarketing und Digitales Marketing sind Schwerpunkte seiner Arbeit.

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