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Fünf Dinge, auf die wir 2015 verzichten können. Erstens: Pegida

Gestern sind sie wieder in Dresden auf die Straße gegangen, die selbst ernannten Verteidiger des Christentums und Vaterlandes. Doch das Anliegen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ ist weder christlich noch patriotisch und wir können 2015 gerne auf sie verzichten.

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Demo gegen Pegida & Bärgida in Berlin am 05.01.2015 von GillyBerlin unter CC BY 2.0

Pegida ist unchristlich und unpatriotisch

Bezüglich der Christlichkeit der Bewegung lassen die Reaktionen der Kirchenvertreter an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. So formulierte der frühere EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider, dass die Zielsetzung von Pegida unchristlich sei. Christen hätten auf diesen Kundgebungen nichts zu suchen. Nicht nur die Kirchen-Oberen beziehen klare Position, sondern auch von vielen Kanzeln wurde in den Weihnachtspredigen an den „Flüchtling Jesus“ und die wahren christlichen Werte –  wie Nächstenliebe – erinnert.

Die Demonstranten geben vor, Patrioten zu sein und deutschen Interessen zu dienen, doch das Gegenteil ist der Fall, denn sie schaden dem Image Deutschlands im Ausland, indem sie eine Plattform für Ausländerfeindlichkeit, Intoleranz und rechten Gedankengutes bieten. Wir brauchen aufgrund des demographischen Wandels aber Zuwanderung, insbesondere von qualifizierten Fachkräften. „Das Boot ist voll“ tönt es aus den Reihen der Pegida-Anhänger. Das Gegenteil ist der Fall: Wir brauchen Fachkräfte aus dem Ausland, damit das Boot in Fahrt bleibt. Um die international begehrten Fachleute zu bekommen, muss sich Deutschland als ein Land mit Willkommenskultur präsentieren. Wir nennen diese Aufgabe Migrationsmarketing.

Sind Pegida-Demonstranten das Volk?

„Wir sind das Volk“ ist auf der Dresdner Pegida-Demonstration zu hören. Das ist falsch oder zumindest grob übertrieben, da nur ein Teil der Bevölkerung mit den Anliegen der Pegida-Organisatoren sympathisiert. Etwa 13% der Deutschen gaben an, sie würden mitmarschieren, wenn die Demo in der Nähe ihres Wohnortes wäre. Erfreulicherweise konnte außer in Dresden die Pegida-Bewegung kaum in anderen Städten Fuß fassen. In Köln, Hamburg, Berlin und München formiert sich der Widerstand gegen Pegida und die Gegendemonstrationen haben mehr Zulauf als der jeweilige Pegida-Aufmarsch. Gestern setzte Köln ein Zeichen gegen Islamfeindlichkeit und Ausländerhass und schaltete an vielen Gebäuden wie den Rheinbrücken, das Rathaus und auch dem Kölner Dom, das Licht aus, um auf diese Weise gegen Fremdenhass und Ausgrenzung ein Zeichen zu setzen.

Pegida und die Politik

Und wie reagieren die etablierten politischen Parteien? Es herrscht eine Ablehnung auf breiter Front. Keine der großen demokratischen Parteien bekundet Sympathien. Lediglich die AfD versucht politisches Kapital aus der Bewegung zu schlagen. Und selbst bei dieser rechten Protestpartei sind die Meinungen nicht einheitlich und der AfD-Vizesprecher Olaf Henkel rät seiner Partei auf Distanz zu Pegida zu gehen. Bemerkenswert ist die Reaktion der Kanzlerin. Bekannt für ihre zögernde und abwartende Haltung, bezieht sie in diesem Punkt eine glasklare Position und warnte die Bürger mehrmals – zuletzt bei ihrer Neujahrsansprache – vor der Pegida-Bewegung. Berücksichtigt man noch das eindeutige Statement Prominenter aus Politik, Show und Sport, so bleibt festzuhalten, dass Pegida nicht in der deutschen Gesellschaft verankert ist. Und das ist auch gut so.

Uwe Manschwetus

 

Foto: Demo gegen Pegida & Bärgida in Berlin am 05.01.2015 von GillyBerlin unter CC BY 2.0

 

Weitere Infos:

Unterschrift gegen Pegida und für ein buntes Deutschland

Pegida im Faktenckeck

Autor:

Dr. Uwe Manschwetus hat seit 1997 eine Professur für Marketing-Management an der Hochschule Harz. Personalmarketing, Standortmarketing, Kulturmarketing und Digitales Marketing sind Schwerpunkte seiner Arbeit.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Imho ist die Pegida die übel riechende Quittung für politisches Versagen bei der europäischen Integration und in der Migrationspolitik. Mir ist es lieber, die Leute gehen auf die Straße und nehmen ihre demokratischen Rechte war, als sich jenseits der Öffentlichkeit zu organisieren.

    Ich weiß, das fällt manchmal schwer. Aber Demokratie ist halt immer die Freiheit der Andersdenkenden. Mir macht die Reaktion der Politik auf Pegida ehrlich gesagt mehr Angst, als die Bewegung als solches.

    18.000 Menschen (aktueller Stand) als Nazis und Ausländerhasser zu beschimpfen, kann keine adäquate Reaktion sein. Leider wiederholen sich solche Muster immer wieder. Denken wir an den Umgang mit der Linkspartei, der AfD, Thilo Sarrazin etc.

    Sobald jemand eine unliebsame Meinung jenseits des politischen Establishments hat, wird er exekutiert. Heute braucht man dafür kein Fallbeil, sondern bedient sich der Medien.

    > denn sie schaden dem Image Deutschlands im Ausland

    Das sehe ich überhaupt nicht. Schauen wir uns doch die anderen europäischen Länder an. In Frankreich holt der Front National bei den Europawahlen 25%, in Großbritannien UKIP 28%, in Österreich die FPÖ 20%, in Dänemark die Dansk Folkeparti 26%. etc. etc.

    Es gibt überall ein erstarken der rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Bewegungen.

    Die Pegida ist eine Chance für Deutschland, zu zeigen, dass man mit so etwas umgehen kann und enttäuschte Menschen in den Dialog zurückholen kann.

    Ich denke, die Politik tut gut daran, sich mit den Problemen und nicht mit deren – zugegebenermaßen teilweise ziemlich unappetitlichen – Überbringern zu beschäftigen.

    Gerade die von Dir angesprochenen Fachkräfte kommen mit der aktuelle Strategie nämlich nicht nach Deutschland. In Bezug auf Fachkräfte ist Deutschland ein Abwanderungsland.

    Und da greife ich mal zwei Punkte aus dem Pegida Forderungen heraus:

    „3. PEGIDA ist FÜR dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!

    5. PEGIDA ist FÜR eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca.200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)“

    Das wäre ein Anfang! Zusätzlich bräuchte es ein Arbeitsrecht für Asylsuchende. Wie will man denn sonst die Chance haben, dass gut Qualifizierte in unserer Gesellschaft kleben bleiben?

    Die „Internierung“ in Containern für Jahre? WTF?! Das kann und darf nicht das Deutschland des 21. Jahrhunderts sein!

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    • 1. „Mir macht die Reaktion der Politik auf Pegida ehrlich gesagt mehr Angst, als die Bewegung als solches.“ Bei mir ist es definitiv andersrum. Mir macht es Mut zu sehen, wie stark der Widerstand gegen Pegida in allen relevanten gesellschaftlichen Kreisen ist: Politik, Prominenz, Kirche und Medien. Angst macht mir dagegen, dass die schrecklichen Vorfälle in Frankreich Anlass sein könnten, Pegida Zulauf zu bringen. Wir werden es heute sehen.
      2. „Imho ist die Pegida die übel riechende Quittung für politisches Versagen bei der europäischen Integration und in der Migrationspolitik.“ Oh, ja, es ist viel schiefgelaufen in der Migrationspolitik. Wobei ich glaube, wir interpretieren es anders. Schiefgelaufen ist vor allen Dingen vieles in der Sozialpolitik. In den letzten 20 Jahren ist es zu einer enormen sozialen Spreizung gekommen, Viele – insbesondere kinderreiche Familien und Ältere – sind von der Wohlstandsentwicklung abgekoppelt. Der ideale Nährboden für rechte Demagogen „die Ausländer“ als Sündenböcke zu stilisieren. Ausländer hätten Heime mit Vollversorgung, während sich die deutschen Alten manchmal noch nicht mal ein Stück Stollen leisten können zu Weihnachten (O-Ton Bachmann).
      3. „Zusätzlich bräuchte es ein Arbeitsrecht für Asylsuchende“ Da sind wir mal einer Meinung. Mehr noch: Wir brauchen eine klare Differenzierung in Asylsuchende und Personen, die aus wirtschaftlichen Motiven migrieren. Aber bitte nicht in dem Sinne, dass „Wirtschaftsflüchtlinge“ stigmatisiert werden. Es ist nichts Verwerfliches darin zu sehen, in ein anderes Land zu gehen, weil dort die Arbeitsbedingungen besser sind. Ganz im Gegenteil: Wir müssen diesen Prozess fördern, weil wir Zuwanderung brauchen.

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  2. > Politik, Prominenz, Kirche und Medien

    Und genau das finde ich erschreckend. Die Medien entwickeln sich (nicht nur in Sachen Pegida) immer mehr zu Agenda-/Kampagnen-Instrumenten. Man versucht eine idealerweise links-liberale Position zu finden, die man zusammen durchpeitschen kann und diese Linie wird dann gemeinschaftlich bis zum Schwachsinn verteidigt.

    Die Kirche soll sich verdammt nochmal aus allen politischen Belangen raushalten. Ich möchte keinen Gottesstaat. Weder einen islamischen, noch einen christlichen. Wenn die Kirche es im privaten Bereich noch immer schafft, die Menschen zu verdummen -> muss ich damit leben. Soweit sie versucht, ihren gesellschaftlichen und politischen Machtverlust wieder auszugleichen, ist das die gleiche Trittbrettfahrerei wie sie AfD, NPD und Pegida versuchen.

    Und die Politik. Nunja. Ich würde die CSU mal ganz jovial als die „Pegida Bayerns“ bezeichnen. Was man da in den letzten Jahren an Fremdenfeindlichkeit gestreut hat, ist der Boden auf dem der Rechtspopulismus heute wächst.

    Die anderen Regierungsparteien beschäftigen sich gerne mit den Auswüchsen der Bewegung, weil das für genug Kontroversen sorgt und die eigenen Versäumnisse vergessen macht. Das ist aber genauso billig als würde man die SPD als Kinderporno-Partei bezeichnen, weil Tauss und Edathy dort Mitglieder sind/waren.

    Man ist immer gut beraten, sich mit Inhalten und nicht mit Personen auseinanderzusetzen.

    Wie gesagt, mir gefällt auch nicht, was da im Rahmen von Pegida auf der Straße ist. Ich halte es trotzdem für besser, sich der Probleme anzunehmen anstatt Menschen auszugrenzen und zu diffamieren.

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  3. Prof. Lehnert geht u.a. auf die oben von mir skizzierten Versäumnisse der Politik ein, die zum Erstarken der Rechten in großen Teilen Europas geführt haben:

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